Stellt Euch vor, ab heute gibt es das iPad in Deutschland

Apple hat mich bereits jetzt schon (8,25 Uhr) zweimal per Mail darauf hingewiesen, dass das iPad seit heute in Deutschland erhältlich ist. Und nachdem die Kasse4 ja ein braves deutsches Medium ist, sei die gute Nachricht hier einmal kostenlos für Apple und jegliches Marketing-spending ersetzend wiedergegeben: Weiterlesen „Stellt Euch vor, ab heute gibt es das iPad in Deutschland“

Nachklapp: Kulturelle Grundversorgung tut Not

Nachklapp zum Artikel „Kulturelle Grundversorgung tut Not“ vom 6. Januar an der Kasse4! Im Wochenkommentar der F.A.S. vom 6. Februar findet sich neben sehr guten Anmerkungen zur aktuellen Hartz-4-Debatte auch folgender Absatz:

Wer Teilhabe sichern will, sollte die Lebensräume der Bedürftigen verändern. Weiterlesen „Nachklapp: Kulturelle Grundversorgung tut Not“

Sind wir mit Musik übersättigt?

Die Frage ist spannend und stellt sich nicht nur mir des öfteren: Was bewirken MP3-Player-Flut, Dauerberieselung durch Radio (die TV-Sender sind ja weggefallen mittlerweile) und die zunehmende Kommerzialisierung beziehungsweise Instrumentalisierung der Musik (durch Markenartikler etc.)? Werden wir musikmüde?

Edo Reents, einst bei „SZ“, später bei der „FAZ“ für Popmusik verantwortlich und mittlerweile in der Literaturedaktion letzterer beheimatet, hat am Wochenende in der „F.A.S.“ einen spannenden Leitkommentar veröffentlicht (Link siehe unten), Unter dem Titel „Besinnungslos musikalisch“ wird Reents deutlich: „Die Übersättigung mit Musik verursacht irgendwann, wenn die Nerven überreizt sind, Abstumpfung, Geringschätzung oder Widerwillen, gar Ekel. Am Ende bleibt nur ein Gefühl der Leere – Reaktionen, die ursprünglich der Popmusik von denen entgegengebracht wurden, die sie nicht mochten und lieber Klassik, Jazz oder Volksmusik hörten“. Oder, an anderer Stelle: „Musik ist gewöhnlich geworden“.

Was ist davon zu halten? Nun, ich selbst kenne diese Übersättigung an Musik nur in Zusammenhang mit schlechter Musik, wenn ich beispielsweise nach dem Durchhören von zehn Promo-CDs das Gefühl habe, dringend meine Nerven zu beruhigen und meine Ohren desinifizieren zu müssen. Oder wenn im Radio nur Müll läuft, und zwar auf 20 Stationen. Aber sonst? Ich vertrete eher den Standpunkt, dass Musik heute nicht mehr in dem Maße wie früher identitätsstiftend ist, sondern allgemein in der Wertschätzung der Leute an Boden verloren hat. Es ist einfach nicht mehr wichtig, wie die neue Platte von Grönemeyer oder Tocotronic klingt für die Leute da draußen. Für die Elfenbeinturmler meiner Zunft ja, aber da draußen? Was bedeutet es, wenn Universal mit Riesenstolz verkündet, dass Rosenstolz eine Million Alben verkauft hat? Nicht mehr als dass rund 79 Millionen andere Deutsche KEIN Album von Rosenstolz haben und dass unter 100 Leuten auf der Straße knapp zwei die CD haben. Doch dazu später noch mehr, ist hier nur sehr verkürzt dargestellt. Insofern: Einverstanden, Herr Reents.

Womit ich dagegen nicht klarkomme, ist die Argumentation, dass zum einen Hardware wie das iPhone durch seine pure Existenz als Abspielmöglichkeit für Musik der Entwertung der Musik Vorschub leistet. Dies ist meinen Augen so logisch als wenn ein Veröffentlichungsverbot für alle Nicht-Vinyl-Tonträger eine Ära der kritischen und genußvollen Auseinandersetzung mit Musik einläuten würde. Die Hardware wird von Menschen bedient, meine ich. Von Dummen, Schlauen, Genießern und Schweinen. Diese und wie sie die Hardware verändern, ist entscheidend – aber nicht die pure Existenz einer Abspielmöglichkeit wie dem iPhone.

Des weiteren macht der Kommentator Downloadstores als Initatoren einer Empfehlungsdiktatur aus: Die alte Musikindsutrie habe noch Distanz und Distinktion ermöglicht (in meinen Augen gibt es keine zehn Chefs von Plattenfirmen in Deutschland, die letzteres Fremdwort kennen und ersteres praktizieren). Die neue führe dagegen zur Gängelung, da jeder „Knopfdruck am Computer oder iPhone (da isses wieder, das böse iPhone! Anm. ms) Empfehlungen nach sich zieht, die an die Stelle der Musikkritik und des Gesprächs im Plattenladen treten“. Sorry, Herr Reents, aber das klingt mir zu sehr nach der Leier des früher-war-alles-besser. Böses Internet und so, macht die Leute dumm und einsam. Im Fazit aber ein klasse Kommentar, der zur richtigen Zeit kommt! m.

Zum Leitkommentar in der F.A.S. vom 24.01.10: „Besinnungslos musikalisch“

Playlist von heute:

Var. Artists – Final Song #1 (VÖ: 06.02.2009). Wer wissen will. welche Musik DJ Hell, Laurent Garnier oder David Holmes mal hören wollen, wenn sie unter der Erde und vor dem Sarg hoffentlich ein paar Leute stehen werden, braucht diese CD. Allen anderen verrate ich hiermit: So spannend ist das nicht, was die hören wollen. Nette morbide Idee, aber kein Must-Have.

Nat King Cole – Re: Generations (VÖ: 06.03.2009) Zu Ehren des Meisters nahmen sich tolle Leute wie Cee-Loo (Gnarls Barkley), Will.I.Am (Black Eyed Peas) und TV On The Radio seinen Songs an und remixten, bearbeiteten und interpretierten, was das Zeug hält. Sehr geile Idee, sehr hörenswert!

Klicken = Selbstbestimmung? Zaimoglu zweifelt!

Und wieder einer für das Stammbuch von allen Journalisten – gefunden in einem Interview von Schriftsteller Feridun Zaimoglu mit der F.A.S.. Wir lesen da:

Frage: Durchs Internet wären Sie in diesen Situationen selbstbestimmter.

Antwort: Ich habe nie an den modernistischen Hokuspokus von Selbstbestimmung geglaubt. Ich bin in dieser Hinsicht ein großer Skeptiker. Ich kann doch nicht von mehr Selbstbestimmung ausgehen, bloß, weil ich auf Tasten hacke und in Nullkommanichts ein Suchergebnis habe. Dass ich das nicht mache, ist sogar gut, weil, dann muss ich zum Bahnhof gehen – und das ist unbequem. Für einen Schriftsteller ist Bequemlichkeit Gift. Dann würde ich anfangen, Ältere-Herrschaften- und Fräuleinwunderstubenprosa zu schreiben.

Kampf der Fräuleinwunderstubenprosa! m.

Volltext (lesenswert!): http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E3F3806D401CE45098B5BDBAE8CC810CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Die heutige Playlist:

Lily Electric – You’re In The Painting You Saw (VÖ: 17.04.2009). Schrecklich belanglos. Belanglos schrecklich. Indie-Rock mit melodiösem Überhang? Nein, motor.de. Wirklich nicht. Next one.

Soap & Skin – Livetune For Vacuum (VÖ: 13.03.2009). Wie gern hätt‘ ich mal wieder eine Band, die normale Albentitel bevorzugt. Aber egal: Geile Scheibe, sehr speziell, aber sehr sehr gut. Was uns da die junge Österreicherin Anja Plaschg entgegenwirft, ist heftiger Stoff, teilweise fast unerträglich düster und dunkel, aber doch faszinierend. Low-Fi-Minimalismus, solltet ihr mal ausprobieren. Werd‘ ich im Auge behalten und im Ohr.

Howling Bells – Radio Wars (VÖ: 27.02.2009). Grottenlangweiliger Indierock aus Australien. Ab dafür.

Cocoon – My Freinds All Died In A Plane Crash (VÖ: 13.03.2009). Hoffnungsstiftender Albentitel, auf dem Cover ist eine hübsche junge Frau, die ein Kätzchen küsst. Das Kätzchen ist auch hübsch. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Die Plattenfirma meint aber, Cocoon machen dunkle Pop-Balladen französischen Einschlags.

The Datuns – Headstunts (VÖ: 10.10.2008). Nicht mein Ding, rauscht durch den Player, ohne groß Spuren zu hinterlassen. Die Plattenfirma meint: Power-Pop aus Neuseeland, meisterhaft. Wenn sie meint …


Anuschka Zuckowski – Am Anfang der Zukunft (VÖ: 20.03.2009). Zum Schluß das Highlight – wunderbare Songwriter-Platte, hier ist Zynismus fehl am Platze. Denn Anuschka hat zwar einen bekannten Daddy, aber darf sie deswegen keine Musik machen? Ab und an in Richtung Schlager driftend, ist „Am Anfang der Zukunft“ ein intelligentes Popalbum mit überdurchschnittlich guten Texten und sehr, sehr gelungenen Melodien. Von Anuschka wird man noch mehr hören. Klasse!

Brainwork – Jaron Lanier über Netzkultur

Mit Durchblick: Jaron Lanier

Zugegeben nicht ganz einfach zu lesen ist ein Beitrag von Internet-Pionier Jaron Lanier über die Netzkultur: „Warum die Zukunft und noch braucht“ ist eine extrem anregende intellektuelle Betrachtung über Informationen und ihren Wert – mit ein paar sehr hübschen Fundstellen. Beispiel? „Wikipedia zum Beispiel beruht auf dem, was ich das eingebildete Orakel nenne: Man verdrängt das Wissen über die menschliche Autorschaft eines Textes, um dem Text eine übermenschliche Wertigkeit zuzusprechen. Traditionelle heilige Schriften funktionieren auf genau die gleiche Weise und werfen viele der gleichen Probleme auf.“ m.

Der ganze Artikel: Warum die Zukunft uns noch braucht

Ach ja, der dezisionistische Zwang!

Ach ja, der Musikjournalismus! In der aktuellen F.A.S. ist auf der Medienseite zu lesen, dass sich die „Spex“ von der Plattenrezension verabschieden will und statt dessen über Platten plaudern will. Genaueres kann ich dazu nicht sagen, weil ich mich nicht mit der „Spex“ beschäftige, aber in dem Beitrag von Diedrich Diederichsen steckt ein hübscher Satz. Ein hübscher Satz, den ich verstanden habe, muss ich ergänzen, denn sicher sind da noch mehr hübsche Sätze drin. Er beschreibt den Unterschied von Print- und Onlinejournalismus so:

„Natürlich leiden geschriebene und gedruckte Kritiken schon mal unter diesem dezisionistischem Zwang von Deadline und Zeilenlimit, während man im Netz in der immerwährenden Anschließbarkeit an das konstitutiv Offene des Online-Textes badet.“

Das ist hübsch und richtig und ich freue mich wie ein Schnitzel, dass ich demnächst mein Umfeld damit überraschen werde, immer wieder mal auf dezisionistischen Zwang hinzuweisen. Einsatzgebiete gibt es ja viele („Schatz, können wir endlich Essen bestellen?“, „Spielen wir erst Lego oder zerlegen gleich die Carrera-Bahn?“). Danke, Herr Diedrichsen, und das ist nicht im geringsten belustigend oder spöttisch gemeint. Die „Spex“ kaufe ich mir dennoch nicht.

Der Beitrag „Stirb langsam“ von Diedrich Diedrichsen in der „F.A.S.“

Meine heutige Playlist:

Mein Mio – Irgendwo in dieser großen Stadt.

Straight Frank – And We Walked By With A Bag Full Of Money.

Saidian – Evercircle (Tipp!)

Don’t believe the hack: Van Morrison wieder entspannt

Lustige Randnotiz aus der „F.A.S.“ vom vergangenen Sonntag: Demnach hat Bluesgott Van Morrison auf seiner eigenen Website lesen müssen, dass er mit 64 zum vierten Mal Vater geworden sei. Und dass die Mutter seines Kindes eine andere Frau als seine Ehefrau sei. Im Dementi war dann die Rede davon, dass Hacker sich der Site des Musikers zueigen gemacht hatten. Hacker mit seltsamen Humor, wie mir scheint. Warum ausgerechnet Van The Man? m.