Über den Unsinn von Pool-Redaktionen

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Man hört das ja immer wieder: Schlaue Verleger bilden Pool-Redaktionen für ihre Titel. Das sind mitnichten Redaktionen, die am Pool sitzen, gemütlich den Laptop auf dem Schoß und den Drink auf dem Tischchen nebendran. Die Kasse4 nimmt sich dem unsäglichen Thema jetzt mal so richtig an. Weiterlesen „Über den Unsinn von Pool-Redaktionen“

Buchkritik – Boris Fusts Praktikantenroman „Zwölf Stunden sind kein Tag“

Mit Romanen oder generell Druckerzeugnissen von Kollegen ist es ja so eine Sache: Liest man die wirklich und läuft dann eventuell Gefahr, etwas zu loben, was nicht so toll ist, rein aus Rücksicht auf den Kollegen? Egal, an der Kasse4 sind alle gleich und so geht es heute um Boris Fusts (u.a. Intro, Mitglied der LEA-Jury etc.) Roman „Zwölf Stunden sind kein Tag. Der Praktikantenroman“. Weiterlesen „Buchkritik – Boris Fusts Praktikantenroman „Zwölf Stunden sind kein Tag““

Kristin Hersh: Real music is like a wild animal

Vor ein paar Wochen hat die Kasse4 ja harsche Worte gefunden für Kristin Hersh und ihr in meinen Augen eher seltsames Geschäftsmodell zur Finanzierung des geplanten Throwing-Muses-Album (hier lesen). Heute ist es an der Zeit, die amerikanische Singer/Songwriterin von höchsten Gnaden zu loben. Für Weiterlesen „Kristin Hersh: Real music is like a wild animal“

Klicken = Selbstbestimmung? Zaimoglu zweifelt!

Und wieder einer für das Stammbuch von allen Journalisten – gefunden in einem Interview von Schriftsteller Feridun Zaimoglu mit der F.A.S.. Wir lesen da:

Frage: Durchs Internet wären Sie in diesen Situationen selbstbestimmter.

Antwort: Ich habe nie an den modernistischen Hokuspokus von Selbstbestimmung geglaubt. Ich bin in dieser Hinsicht ein großer Skeptiker. Ich kann doch nicht von mehr Selbstbestimmung ausgehen, bloß, weil ich auf Tasten hacke und in Nullkommanichts ein Suchergebnis habe. Dass ich das nicht mache, ist sogar gut, weil, dann muss ich zum Bahnhof gehen – und das ist unbequem. Für einen Schriftsteller ist Bequemlichkeit Gift. Dann würde ich anfangen, Ältere-Herrschaften- und Fräuleinwunderstubenprosa zu schreiben.

Kampf der Fräuleinwunderstubenprosa! m.

Volltext (lesenswert!): http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E3F3806D401CE45098B5BDBAE8CC810CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Die heutige Playlist:

Lily Electric – You’re In The Painting You Saw (VÖ: 17.04.2009). Schrecklich belanglos. Belanglos schrecklich. Indie-Rock mit melodiösem Überhang? Nein, motor.de. Wirklich nicht. Next one.

Soap & Skin – Livetune For Vacuum (VÖ: 13.03.2009). Wie gern hätt‘ ich mal wieder eine Band, die normale Albentitel bevorzugt. Aber egal: Geile Scheibe, sehr speziell, aber sehr sehr gut. Was uns da die junge Österreicherin Anja Plaschg entgegenwirft, ist heftiger Stoff, teilweise fast unerträglich düster und dunkel, aber doch faszinierend. Low-Fi-Minimalismus, solltet ihr mal ausprobieren. Werd‘ ich im Auge behalten und im Ohr.

Howling Bells – Radio Wars (VÖ: 27.02.2009). Grottenlangweiliger Indierock aus Australien. Ab dafür.

Cocoon – My Freinds All Died In A Plane Crash (VÖ: 13.03.2009). Hoffnungsstiftender Albentitel, auf dem Cover ist eine hübsche junge Frau, die ein Kätzchen küsst. Das Kätzchen ist auch hübsch. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Die Plattenfirma meint aber, Cocoon machen dunkle Pop-Balladen französischen Einschlags.

The Datuns – Headstunts (VÖ: 10.10.2008). Nicht mein Ding, rauscht durch den Player, ohne groß Spuren zu hinterlassen. Die Plattenfirma meint: Power-Pop aus Neuseeland, meisterhaft. Wenn sie meint …


Anuschka Zuckowski – Am Anfang der Zukunft (VÖ: 20.03.2009). Zum Schluß das Highlight – wunderbare Songwriter-Platte, hier ist Zynismus fehl am Platze. Denn Anuschka hat zwar einen bekannten Daddy, aber darf sie deswegen keine Musik machen? Ab und an in Richtung Schlager driftend, ist „Am Anfang der Zukunft“ ein intelligentes Popalbum mit überdurchschnittlich guten Texten und sehr, sehr gelungenen Melodien. Von Anuschka wird man noch mehr hören. Klasse!

Ach ja, der dezisionistische Zwang!

Ach ja, der Musikjournalismus! In der aktuellen F.A.S. ist auf der Medienseite zu lesen, dass sich die „Spex“ von der Plattenrezension verabschieden will und statt dessen über Platten plaudern will. Genaueres kann ich dazu nicht sagen, weil ich mich nicht mit der „Spex“ beschäftige, aber in dem Beitrag von Diedrich Diederichsen steckt ein hübscher Satz. Ein hübscher Satz, den ich verstanden habe, muss ich ergänzen, denn sicher sind da noch mehr hübsche Sätze drin. Er beschreibt den Unterschied von Print- und Onlinejournalismus so:

„Natürlich leiden geschriebene und gedruckte Kritiken schon mal unter diesem dezisionistischem Zwang von Deadline und Zeilenlimit, während man im Netz in der immerwährenden Anschließbarkeit an das konstitutiv Offene des Online-Textes badet.“

Das ist hübsch und richtig und ich freue mich wie ein Schnitzel, dass ich demnächst mein Umfeld damit überraschen werde, immer wieder mal auf dezisionistischen Zwang hinzuweisen. Einsatzgebiete gibt es ja viele („Schatz, können wir endlich Essen bestellen?“, „Spielen wir erst Lego oder zerlegen gleich die Carrera-Bahn?“). Danke, Herr Diedrichsen, und das ist nicht im geringsten belustigend oder spöttisch gemeint. Die „Spex“ kaufe ich mir dennoch nicht.

Der Beitrag „Stirb langsam“ von Diedrich Diedrichsen in der „F.A.S.“

Meine heutige Playlist:

Mein Mio – Irgendwo in dieser großen Stadt.

Straight Frank – And We Walked By With A Bag Full Of Money.

Saidian – Evercircle (Tipp!)

„Prokel, prokel, laber, rhabarber, knister, blätter…“

Wundervoll: Benjamin von Stuckrad-Barre in der „SZ“ vom 27./28. September 2003 in einer Story mit dem Titel „Blind-Date mit der Jedermanns-Schlucht“ … über Vorabdrucke von Büchern, also Rezensionsexemplare:

„Entweder also nutzen die zur Strafe so genannten Multiplikatoren aus Handel, Kulturmafia und Journalismus also (…) nicht den Romanstoff, sondern das zur wohlwollenden Prüfung mit natürlich freundlichen Grüßen herzlichst übersandte Material, das Papier, ja, oder es wird un- oder, Superausrede QUERgelesen, ordnungsgemäß entsorgt, also in Papiermüll und
Metallmüll dividiert. Dabei wird telefoniert, dabei werden neue Bücher bestellt, neue Pakete ausgepackt, neuer Schmalz im Ohr gefunden. Prokel, prokel, laber, rhabarber, knister, blätter, kommt jemand mit in die Kantine, ist schon zwölf, ist noch Konferenz, bin ich schon tot? – und derart multitaskend hat man eben schnell eine Leitz-MEssingschiene durchs
Handfleisch gepflügt. Dieses Buch geht unter die Haut. Autsch. Ich hatte also Glück und Vorabexemplare.

Für den Musikjournalismus by the way 1:1 übertragbar, meine Freunde 🙂

Theodor Fontane über Musik- und Theaterkritik (1871)

Manches wurde bereits vor langer Zeit gesagt, so auch dieses hübsche Fundstück. Theodor Fontane meinte 1871 zum Thema Musik- und Theaterkritik: „Wir sind nicht dazu da, öffentliche Billets doux zu schreiben, sondern die Wahrheit zu sagen, oder doch das, was uns als Wahrheit erscheint. Denn die Anmaßung liegt uns fern, uns als eine letzte, unfehlbare Instanz anzusehn, von der kein Appell an Höheres denkbar ist“. (Zitiert von Marcel Ranicki in der F.A.S.).

Dem ist wenig hinzuzufügen, thanks, Theodor!