Diesmal ohne Worte, dafür mit ganz lieben Grüßen an meine Freunde Jeanny und Chris! Proost!
Pure Poesie: Die Tiger Lillies live im Cafe Keese

Wunderschön, ergreifend und souverän – jede Lobesbekundung ist ehrlich und angebracht, wenn es um das englische Trio The Tiger Lillies geht. Gestern abend fand der letzte von insgesamt zwei Auftritten im Cafe Keese Weiterlesen „Pure Poesie: Die Tiger Lillies live im Cafe Keese“
Klicken = Selbstbestimmung? Zaimoglu zweifelt!
Und wieder einer für das Stammbuch von allen Journalisten – gefunden in einem Interview von Schriftsteller Feridun Zaimoglu mit der F.A.S.. Wir lesen da:
Frage: Durchs Internet wären Sie in diesen Situationen selbstbestimmter.
Antwort: Ich habe nie an den modernistischen Hokuspokus von Selbstbestimmung geglaubt. Ich bin in dieser Hinsicht ein großer Skeptiker. Ich kann doch nicht von mehr Selbstbestimmung ausgehen, bloß, weil ich auf Tasten hacke und in Nullkommanichts ein Suchergebnis habe. Dass ich das nicht mache, ist sogar gut, weil, dann muss ich zum Bahnhof gehen – und das ist unbequem. Für einen Schriftsteller ist Bequemlichkeit Gift. Dann würde ich anfangen, Ältere-Herrschaften- und Fräuleinwunderstubenprosa zu schreiben.
Kampf der Fräuleinwunderstubenprosa! m.
Volltext (lesenswert!): http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E3F3806D401CE45098B5BDBAE8CC810CE~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Die heutige Playlist:
Lily Electric – You’re In The Painting You Saw (VÖ: 17.04.2009). Schrecklich belanglos. Belanglos schrecklich. Indie-Rock mit melodiösem Überhang? Nein, motor.de. Wirklich nicht. Next one.
Soap & Skin – Livetune For Vacuum (VÖ: 13.03.2009). Wie gern hätt‘ ich mal wieder eine Band, die normale Albentitel bevorzugt. Aber egal: Geile Scheibe, sehr speziell, aber sehr sehr gut. Was uns da die junge Österreicherin Anja Plaschg entgegenwirft, ist heftiger Stoff, teilweise fast unerträglich düster und dunkel, aber doch faszinierend. Low-Fi-Minimalismus, solltet ihr mal ausprobieren. Werd‘ ich im Auge behalten und im Ohr.
Howling Bells – Radio Wars (VÖ: 27.02.2009). Grottenlangweiliger Indierock aus Australien. Ab dafür.
Cocoon – My Freinds All Died In A Plane Crash (VÖ: 13.03.2009). Hoffnungsstiftender Albentitel, auf dem Cover ist eine hübsche junge Frau, die ein Kätzchen küsst. Das Kätzchen ist auch hübsch. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Die Plattenfirma meint aber, Cocoon machen dunkle Pop-Balladen französischen Einschlags.
The Datuns – Headstunts (VÖ: 10.10.2008). Nicht mein Ding, rauscht durch den Player, ohne groß Spuren zu hinterlassen. Die Plattenfirma meint: Power-Pop aus Neuseeland, meisterhaft. Wenn sie meint …
Anuschka Zuckowski – Am Anfang der Zukunft (VÖ: 20.03.2009). Zum Schluß das Highlight – wunderbare Songwriter-Platte, hier ist Zynismus fehl am Platze. Denn Anuschka hat zwar einen bekannten Daddy, aber darf sie deswegen keine Musik machen? Ab und an in Richtung Schlager driftend, ist „Am Anfang der Zukunft“ ein intelligentes Popalbum mit überdurchschnittlich guten Texten und sehr, sehr gelungenen Melodien. Von Anuschka wird man noch mehr hören. Klasse!
Kristin Hersh reaktiviert Throwing Muses
Überraschung! Kristin Hersh, die einst als Sängerin der zu Recht legendären Throwing Muses berühmt geworden und dann als Singer/Songwriterin unterwegs war, will wieder mit den Muses segeln. Als ersten Vorgeschmack kann man sich derzeit den Song „Sunray Venus“ in einer Demoversion herunterladen. Kostenlos. Hier.
Zu „Sunray Venus“: Natürlich ist es immer (immer!) ein Erlebnis, Kristin Hersh singen zu hören und die Gänsehaut ist auch bei „Sunray Venus“ wieder zuverlässig zur Stelle. Aber – das war es dann auch schon. Demo-like ist die akustische Gitarre sehr schraddelig, fast könnte man sagen mit wenig Groove, aber zuviel Kraft geschlagen, das Songwriting ist kein ear-opener. Eher ein Beweis, dass es sie noch gibt als ein Beweis dessen, auf was wir uns freuen – und Geld geben sollen. Denn Frau Hersh mailt an ihre Fans: „If subscriptions continue at this rate, we’ll be able to pull it off.“
Was das bedeutet? Nun, Hersh ist seit längerem im CASH Music Projekt, das Musikern die Finanzierung ihrer Musik direkt über die Fans unter Ausschaltung einer Plattenfirma ermöglichen soll. Unabhängig und so, Kampf den Abzockern und den Teufeln der Recording Companies, man kennt diese Sprüche und hat sie so satt. Denn trotz des charmanten Ansatzes des Projekts ist diese Form der Finanzierung in meinen Augen auch nicht fundamental anders gelagert als ein klassischer Deal mit der Plattenfirma.
So kann man sich als Fan von Kristin Hersh oder jetzt den Throwing Muses für die Summe von 5000 Dollar eine namentliche Erwähnung als Executive Producer auf dem Booklet der kommenden Platte sichern. Klar, ohne in die Produktion reinreden zu können, aber ungeachtet des Umstands, ob man selbst in der Lage wäre, eine Platte zu produzieren oder doch lieber an Autos rumschraubt oder die Tür einer Discothek bewacht. Zusätzlich zum Executive-Producer-Feature ist in dem Paket noch neben Gästelistenplätzen für alle Konzerte von Frau Hersh auch ein Besuch im Studio garantiert (um die Aufnahmen zu überwachen) und weiterer Fan-Stuff.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich gönne der Künstlerin jeden Support und jeden Euro, den sie bekommt, denn sie ist großartig, eine der Größten sogar in meinen Augen. Aber Rock’n’Roll ist dennoch was anderes und definitiv NICHT, über CashMusic Credits als Executive Producer zu verchecken. Sorry & Good luck! m.
Nachtrag (26.01.2010): Um noch einen drauf zu setzen – seit wann ist die Realisierung eines musikalischen Projekts eine Frage der Zahl der Subscriptions? Sollte nicht zuerst der Wunsch vorhanden sein, mit seiner Musik etwas mitzuteilen? Kristin, das ist eine Sackgasse… m.
Annett Louisan lernt französisch
Neues von Annett Louisan: Wie das „Abendblatt“ berichtet, will Frau Louisan französisch lernen, „versprochen“. Denn sie liebt Französisch. Auf dem 2011 erscheinenden neuen Album werde dann vielleicht ein Song auf französisch gesungen: „Ich möchte gerne ein bisschen was Neues ausprobieren“. Stellt sich nur die Frage: Kann sie französisch oder will es erst lernen. Und: Erschreckt uns das oder sollten wir uns eher freuen? m.
Die heutige Playlist:
Sophie Hunger – Monday’s Ghost (VÖ 27.02.09). Was für eine tolle CD – die Schweizer Jazzsängerin lotet die Tiefen (und manchmal auch Untiefen) des Jazz, des Pop und des Singer/Songwritertum aus. Gesegnet mit einer grandiosen Stimme, schafft es Hunger, zu überraschen, hier ist nichts Nummer sicher, aber dennoch konsumierbar. Gut sogar. Toll, toll, toll. Norah Jones, geh spielen!
„Papa, in meiner Band sind 15 Sänger!“
Es war wie immer: Wir fahren gemeinsam Auto, irgendeinen Quatsch einkaufen oder so. Mein Ältester, nennen wir ihn aus Gründen der informationellen Selbstbestimmung Luke, meint: „Du Papa, ich will mal Sänger werden“. Weiterlesen „„Papa, in meiner Band sind 15 Sänger!““
Was macht eigentlich Tanita Tikaram?
Irgendwie hänge ich beim Autofahren immer noch ab und an der Illusion nach, einen Sender zu erwischen, per Zufall, der fesselnde Musik präsentiert. Und obwohl das Angebot hier in Hamburg um einiges besser ist als das in München (Ausnahmen wie M94,5 bestätigen die Regel) ist mir das auch im hohen Norden noch nicht wiederfahren.
Was heute morgen im Ohr blieb war eine alte, sehr alte Nummer aus Tagen, von denen selbst ich schon behaupten kann, noch jung gewesen zu sein. Lange Rede, kurzer Sinn: Tanita Tikarams „Twist In My Sobriety, veröffentlicht im Jahr 1988.
Die Gedanken flogen zurück beim Hören und einmal mehr faszinierte mich Tikarams unfassbar kühl klingende Stimme.
Look my eyes are just holograms / look your love has drawn red from my hands / from my hands you know you’ll never be more than twist in my sobriety / more than twist in my sobriety more than twist in my sobriety
singt die Gute und man(n) stellt sich die Frage, wie Frau Tikaram in Echt sein mag. Auch so? Oder was sie jetzt macht? Ein kurzer Blick ins Web gibt die Antwort: „weiter Musik“, aber offensichtlich interessiert das nicht mehr allzu viele Leute.
Tikaram wird im Sommer 41 Jahre alt und mit etwas rechnen findet man dann auch raus, dass sie ihr (einziger) Hit bereits mit 19 Jahren ereilte. Nach dem Debütalbum „Ancient Heart“ erschienen bis 2005 sieben weitere Alben, der letzte Chartentry in Deutschland datiert ins Jahr 1995 zurück. Wie sich ihre Musik wohl nun anhört? Ihre hübsche Website (http://www.tanita-tikaram.com/) und ihr Blog verraten es sicherlich (http://tanitatikaramblog.blogspot.com/). Letzterer übrigens derzeit mit einem staunenswerten Video – ein kleiner asiatischer Junge spielt „Twist In My Sobriety“ auf einer klassischen Gitarre nach. Aber wie! Morgen dann mehr aus der Reihe „Kinder! Musik! Kinder!“ und der Antwort auf die Frage, er das Bandkonzept der Söhne Mannheims erfand! Stay tuned! m.
Die heutige Playlist (mit zwei absoluten Krachern!)
Fort Knox Five – Radio Free DC (veröffentlicht am 31.10.08). Wie geil ist das denn? Super-funky-groovy-catchy Songs, ein Partyalbum, ein Winteralbum gegen Minusgrade-Blues, ein Allheilmittel für Kranke und Enttäuschte … HipHop meets Funk meets Jazz meets Soul. Hammer-Scheibe mit einem dicken Sack voll geiler Ideen. Man denkt an die Black Eyed Peas und liest danach (in dieser Reihenfolge), dass Fort Knox Five als Tour-DJs von den BEP und Gwen Stefani berühmt wurden. Dicker Tipp!
Sahara Hotnights – What If Leaving Is A Loving Thing (veröffentlicht am 05.09.08). Ich geb’s zu, ein sexistisch angehauchter Kommentar lag mir auf der Tastatur, aber was diese vier Schönheiten von sich geben, ist so cool, dass die Optik keine Rolle mehr spielt. Für alle, denen Mädchen-Rock ala Dover oder im Prinzip Hole gefällt, sind die Sahara Hotnights genau das richtige. Wunderbare Popnummern mit klasse Refrains und viel Ohrwurmpotenzial. Zweiter dicker Tipp heute, muss eine Art Glückstag sein!
Zu Hölle mit Kopenhagen, hier kommt Copenhell!
Spannender Name für ein neues Festival: Copenhell heißt es und soll im Juni diesen Jahres über die Bühne gehen. Im Videospot kündigt sich der Teufel himself für einen Besuch an und inspiziert schonmal Kopenhagen. Isst dort einen Hotdop und lächelt eine junge Dänin an. Und ich dachte, Roskilde wäre schon die Hölle (Spaß!). Sollte man gesehen haben, das Video! –> http://www.copenhell.dk/
Nachtrag zum gestrigen Blog: Heute stand im „Abendblatt“, dass die Fertigstellung der Elbphilharmonie erst 2012 erfolgen wird. Also: nochmal x-Millionen teurer und dafür ein Jahr später fertich. Da lob ich mir meine (ABC-Pappen-freie) CD-Sammlung.m.
Die heutige Playlist:
Orbital – Orbital 20. Jubiläumscompilation, 2009 erschienen.Kann man hören, „Satan“ ist eine fiese itzn-itzn-Nummer.
Bang Gang – Ghosts From The Past. Uaah. Billy Corgan auf „Adore“ auf Schlaftabletten. Sparsam instrumentiert. Und dasist noch freundlich umschrieben. Junge, Junge, was’n das bitteschön…
Tift Merrit – Another Country. Klasse Country-Pop, wunderbar gesungen von der jungen Tift. Americana vom Feinsten!
Infadels – Universe In Reverse. Das mag zwar live gut abgehen (SMS in 2006 erinnere ich mich … vor Kraftwerk!), aber die Indie-Hymnen auf CD macht soviel Sinn wie eine Demonstration für die Unschuld der FDP. Fan-Item für die einen, für Fans natürlich die Scheibe vorm Herrn.
Brixton Boogie – Urban Blues. Schöne Sache, extrem lässig, extrem groovy. Trotzdem nicht mein Ding.
Chairlift – Does It Inspire You? No, it doesn’t. Wie die zu einem Song für einen Apple-Werbespot gekommen sind, weiß der Himmel. Gräßlich-langweiliger Elektropop.
Timo Breker – Learn & Wait. Die EP als Appetithappen auf das für Frühjahr erwartete Debütalbum des jungen Hamburger Singer/Songwriters. Schöne Songs, sehr atmosphärisch, sehr kredibel. Muss man im Auge behalten! Tagessieger!
Endlich Ordnung im CD-Regal!
Was hat die Elbphilharmonie in Hamburg mit meinen CD-Regalen zu tun? Nichts, die einen stehen bereits rum und haben auch schon einen Umzug gut überstanden, die andere wächst im Hamburger Hafen langsam aber sicher dem Himmel entgegen. Aber eins haben sie doch gemeinsam: Beide Projekte könnten ein wenig Ordnung vertragen. So spiele ich seit längerem mit dem Gedanken, die bereits alphabetisch sortierte Sammlung mit 26 Pappen zu versehen, die den Anfang eines Buchstabens markieren. Oder besser gleich jede CD mit einem RFID-Chip versehen, der dann so still wie effektiv meinem Zentralcomputer verrät, wo sich gerade Zuccheros Live-Album oder Drahdiwaberls Best-Of herumtreibt? Oder warum Maria Mena die Nähe zu Lynryrd Skynyrd sucht? Cool wär‘ das schon, au ja, das will ich haben.
Was das kostet? Mir doch egal, da mache ich einfach eine Mehrkostenanmeldung bei der Stadt Hamburg. Die Stadt Hamburg wird das verstehen, das hat sie ja öfters, seit feststeht, dass im Hamburger Hafen ein architektonisches Weltwunder emporwachsen soll. Wie das „Hamburger Abendblatt“ heute meldet, hat eine am Bau beteiligte Firma Mehrkosten in Höhe von 22,4 Millionen Euro angemeldet, hinzu kämen gestiegene Einzelbudgets in Höhe von zwölf Millionen Euro. Der Sprecher der Hamburger Kulturbehörde habe daraufhin von „Mehrkosten-Anmeldungen“ gesprochen. Nun denn. By the way wird der Bau mittlerweile mit 323 Millionen Euro veranschlagt. Damit mich keiner falsch versteht: Ich liebe Musik und vergöttere coole Locations – und das wird vermutlich die geilste Location, die die Welt je gesehen hat. Aber 323 Millionen Euro sind soviel Geld, dass die Liebe zur Kultur den Verstand nicht besiegen kann.

Von der Kohle kann man den rund sieben Millionen sechs- bis 15.Jährigen, die in Deutschland leben, frei Haus drei CDs schicken und schenken. Fördert bestimmt auch die Musikkultur. Oder mir ganz viele Pappen für die CD-Sammlung schenken. Oder so. Gute Nacht! m.
Die heutige Playlist:
The Butterfly Effect – Final Conversation Of Kings. Ein Album, das ich wieder und wieder hörte, aber nicht, weil es so fett ist, sondern, um mir sicher zu sein vor dem Urteil. Dies lautet: Einige hübsche Ideen mit stellenweise hübschen psychedelischen Gitarren, im wesentlichen aber 08/15 Power-Metal. Über dem Durchschnitt, aber nicht weit.
Olli Banjo & Jonesman – 4 Fäuste für ein Hallelujah (VÖ:27.02.2009). Geht mir am Arsch vorbei. Nervt zudem tierisch, was aber nicht am Genre deutschsprachigen Hip Hops liegt, sondern an den zwei Experten, die hier am Werk sind.
Haiti dankt Westernhagen
Überraschung im ZDF: Mit dem Song „Aus dir Mutter“ setzte Westernhagen bei der Spendengala zugunsten der Opfer des Erdbebens in Haiti ein beeindruckendes musikalisches Zeichen. Das war richtig gut und mit knapp 18 Millionen Euro Spendenergebnis kann man auch hier nur sagen: Chapeau – und jetzt schnell rüber mit der Kohle an die Bedürftigen.

